CTG-Werte verstehen: Ein Leitfaden für werdende Eltern
- Das Wichtigste auf einen Blick
- Was ist ein CTG und wie funktioniert die Untersuchung?
- CTG Werte lesen und verstehen: Ein Blick auf die Kurven
- So bewertet der Profi: Die CTG-Werte-Tabelle (FIGO)
- Wann und warum wird ein CTG geschrieben?
- Keine Panik: Was ein auffälliges CTG wirklich bedeutet
- Fazit: Das CTG als wichtiger Baustein der Überwachung
- Häufige Fragen zu CTG Werten
Das Wichtigste auf einen Blick
- Was ist ein CTG? Ein CTG (Kardiotokografie) misst die Herztöne deines Babys und deine Wehentätigkeit.
- Normale Herzfrequenz: Die normale Herzfrequenz deines Babys liegt zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute.
- Toco-Wert: Der Toco-Wert zeigt Wehen an, die Höhe des Ausschlags ist aber kein Maß für die Schmerzintensität.
Kein Grund zur Panik: Ein auffälliges CTG ist oft harmlos (z.B. weil dein Baby schläft) und dient dem Fachpersonal als Signal, genauer hinzuschauen.
Was ist ein CTG und wie funktioniert die Untersuchung?
CTG steht für Kardiotokografie. Das Verfahren ist für dich und dein Baby völlig schmerzfrei und sicher.2 So läuft die Untersuchung ab:
- Zwei Gurte: Du bekommst zwei elastische Gurte um deinen Bauch.
- Zwei Sensoren: Daran sind zwei Sensoren befestigt. Einer misst per Ultraschall die Herzfrequenz deines Babys (Kardiogramm), der andere erfasst als Drucksensor die Spannung deiner Bauchdecke und damit die Wehen (Tokogramm).
- Dauer: Eine normale CTG Dauer beträgt etwa 20 bis 30 Minuten.
- Position: Die Untersuchung findet bequem im Sitzen oder Liegen statt.
Die Bedeutung des CTG liegt darin, die Reaktion des kindlichen Herzens auf die Wehen zu beobachten und so frühzeitig zu erkennen, ob dein Baby gut mit Sauerstoff versorgt ist.3
CTG Werte lesen und verstehen: Ein Blick auf die Kurven
Der Ausdruck des Wehenschreibers zeigt zwei übereinander liegende Kurven. Lass uns diese gemeinsam entschlüsseln.
Die obere Kurve: Die Herztöne deines Babys (Kardiogramm)
Diese Kurve ist das Herzstück der Überwachung. Fachpersonal achtet hier auf vier Kriterien:
Die Grundfrequenz (Basalfrequenz):
- Dies ist die durchschnittliche Herzfrequenz des Babys in Ruhe.
- Normale CTG Werte liegen hier zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute (bpm).
- Werte darüber (Tachykardie) oder darunter (Bradykardie) bedürfen genauerer Abklärung.2
Die Bandbreite (Oszillation):
- Dies sind die kleinen, ständigen Schwankungen der Herzfrequenz, die die Aktivität des kindlichen Nervensystems zeigen.
- Idealzustand (undulatorisch): Eine Schwankungsbreite von 5-25 bpm zeigt ein waches, gut versorgtes Baby.
- Warnsignale: Eine zu glatte Kurve (< 5 bpm, eingeengt) oder sehr starke Sprünge (> 25 bpm, saltatorisch) werden genau beobachtet.2
Die Beschleunigungen (Akzelerationen):
- Dies sind kurzzeitige Anstiege der Herzfrequenz, oft bei Kindsbewegungen.
- Sie sind ein sehr gutes Zeichen für das Wohlbefinden deines Babys.2
Die Verlangsamungen (Dezelerationen):
- Dies sind vorübergehende Abfälle der Herzfrequenz. Ihre Form und ihr Zeitpunkt sind entscheidend.2
- Frühe Dezelerationen (Dip I): Meist eine harmlose Reaktion auf den Druck auf das Köpfchen.
- Späte Dezelerationen (Dip II): Ein ernstzunehmendes Zeichen, das auf eine unzureichende Versorgung hindeuten kann.
- Variable Dezelerationen (Dip III): Oft durch eine kurzzeitige Kompression der Nabelschnur bedingt und in vielen Fällen unbedenklich.
Die untere Kurve: Deine Wehentätigkeit (Tokogramm)
Diese Kurve zeichnet die Kontraktionen deiner Gebärmutter auf.
- Der Toco-Wert: Der Toco Wert beim CTG zeigt die Spannung der Bauchdecke an. Ein Hügel auf der Kurve bedeutet eine Wehe.
- Wichtig: Die Höhe des Ausschlags (z.B. ein CTG Wehen Wert 25 oder CTG Wehen Wert 50) sagt nichts über die Schmerzintensität aus! Der Wert ist relativ und dient dazu, die Regelmäßigkeit und Dauer der Wehen zu erkennen.
- Wehen erkennen: Übungswehen oder Senkwehen zeigen sich oft als unregelmäßige, flachere Hügel. Echte Geburtswehen kommen in regelmäßigen, kürzer werdenden Abständen und zeigen deutlichere, längere Ausschläge.
So bewertet der Profi: Die CTG-Werte-Tabelle (FIGO)
Um die CTG Interpretation objektiv zu gestalten, nutzen Ärzt:innen und Hebammen ein Punktesystem, den FIGO-Score. Dabei werden die Kriterien der Herztonkurve bewertet und als „normal", „suspekt" (verdächtig) oder „pathologisch" (krankhaft) eingestuft.2
CTG-Werte Tabelle nach FIGO-Klassifikation
| Parameter | Normal | Suspekt (Verdächtig) | Pathologisch (Krankhaft) |
| Grundfrequenz (bpm) | 110–160 | 100–109 oder 161–180 | < 100 oder > 180 |
| Bandbreite (bpm) | 5–25 | < 5 für 40–90 min | < 5 für > 90 min |
| Dezelerationen | Keine oder nur vereinzelte | Wiederholte variable | Wiederholte späte oder schwere |
Ein normales CTG hat nur „normale" Kriterien. Bei einem suspekten CTG ist ein Kriterium auffällig, bei einem pathologischen CTG mehrere.
Wann und warum wird ein CTG geschrieben?
Die Anwendung des CTG unterscheidet sich je nachdem, ob es routinemäßig während der Schwangerschaft oder zur Überwachung unter der Geburt zum Einsatz kommt.
In der Schwangerschaft
Ein Routine-CTG bei jeder Schwangeren ist heute nicht mehr üblich. Ab wann ein CTG geschrieben wird, hängt von medizinischen Gründen ab, meist ab der 26. Woche. Dazu gehören:1
- Verdacht auf vorzeitige Wehen
- Bluthochdruck oder Diabetes bei der Mutter
- Terminüberschreitung
- Verminderte Kindsbewegungen
Während der Geburt
Hier spielt das CTG eine zentrale Rolle. Oft wird ein Aufnahme-CTG geschrieben. Bei einer risikoarmen Geburt wird danach oft nur in Abständen abgehört, um dir Bewegungsfreiheit zu lassen. Ein Dauer-CTG ist sinnvoll bei:
- Gabe eines Wehentropfes
- Auffälligkeiten (z.B. grünes Fruchtwasser)
- In der finalen Austreibungsphase der Geburt
Keine Panik: Was ein auffälliges CTG wirklich bedeutet
Ein auffälliges CTG ist zunächst nur ein Signal, genauer hinzuschauen. Oft gibt es harmlose Erklärungen.
Mögliche harmlose Ursachen sind:
- Dein Baby schläft: In Tiefschlafphasen ist die Herzfrequenzkurve ruhiger.
- Deine Position: In Rückenlage kann die Blutzufuhr kurz eingeschränkt sein. Ein Lagewechsel auf die Seite hilft sofort.
- Bewegung: Wenn dein Baby sehr aktiv ist, kann der Sensor verrutschen.
Wie geht es weiter?
Bei einem suspekten oder pathologischen Befund wird das Personal aktiv:
- Einfache Maßnahmen: Oft helfen schon ein Lagewechsel oder das sanfte „Wecken" des Babys.
- Intensivere Überwachung: Bessern sich die Werte nicht, wird die Überwachung intensiviert.
- Weitere Diagnostik: In seltenen Fällen kann eine fetale Blutgasanalyse (FBA) nötig sein, um den Sauerstoffgehalt im Blut des Babys direkt zu messen.2
- Geburtseinleitung: Bestätigt sich eine Unterversorgung, wird die Geburt zügig beendet, um die Sicherheit deines Kindes zu gewährleisten. Dies kann je nach Situation eine operative Entbindung (Kaiserschnitt) bedeuten.
Fazit: Das CTG als wichtiger Baustein der Überwachung
Der Wehenschreiber ist ein wertvolles Instrument, das Sicherheit gibt. Die CTG Werte sind dabei eine Momentaufnahme, die von Profis im Gesamtkontext bewertet wird. Vertraue auf die Erfahrung deiner Hebammen und Ärzt:innen und zögere nicht, Fragen zu stellen. So kannst du gut informiert und mit einem sicheren Gefühl die Geburt erleben.
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Häufige Fragen zu CTG Werten
Welche Werte sind bei einem CTG normal?
Normale CTG Werte zeigen eine Herzfrequenz des Babys zwischen 110 und 160 Schlägen pro Minute. Die Kurve sollte zudem leichte Schwankungen aufweisen. Der Toco-Wert für Wehen ist hingegen relativ und nicht standardisiert, hier zählt das Muster der Kontraktionen.2
Bei welchem Toco-Wert beginnen die Wehen?
Es gibt keinen festen Toco-Wert, ab dem man von Wehen spricht. Der Wert ist sehr relativ. Wichtiger als die Höhe des Ausschlags ist für das Fachpersonal die Regelmäßigkeit und Dauer der Kontraktionen, die auf dem Tokogramm als Hügel erscheinen.2
Wie erkennt man Wehen auf dem CTG?
Wehen auf dem CTG erkennt man als hügelförmige Anstiege auf der unteren Kurve (Tokogramm). Echte Geburtswehen zeigen sich durch regelmäßige, wiederkehrende und länger andauernde Ausschläge. Unregelmäßige, flache Hügel sind oft nur Übungswehen.2
Wann gilt ein CTG als auffällig?
Ein auffälliges CTG liegt vor, wenn Werte von der Norm abweichen. Das kann eine zu hohe oder zu niedrige Herzfrequenz (<110 oder >160 bpm) oder bestimmte Arten von Herztonabfällen sein. Oft ist die Ursache harmlos, es dient aber als Signal zur genaueren Beobachtung.2
Kann ich eine CTG-Untersuchung ablehnen?
Ja, Sie haben als Patientin immer das Recht, eine Untersuchung abzulehnen. Es ist jedoch ratsam, sich von Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin umfassend über die Gründe für die Empfehlung und mögliche Alternativen zur Überwachung des Babys aufklären zu lassen.